Tennismeditation

 

 

 

Ich atme ein und ich atme aus.

Ich schaue auf den gelben Ball, hole aus, und lasse die gelbe Filzkugel übers Netz fliegen.

Das sieht von außen betrachtet immer sehr einfach aus.

In mir drin hingegen, ist gar nichts einfach.

Tennis ist für mich der schönste Sport der Welt, aber auch der gnadenloseste.

Er spiegelt ALLES, was in mir drin ist, und macht es ungefiltert auf dem Platz sichtbar.

Die Zeit auf dem Platz verbringe ich mit mindestens einem Gegenüber.

Diesen einen Gegenüber kann ich bekämpfen,

im Wechsel hassen und verachten,

mich dauernd vergleichen, und dabei schlechter wegkommen,

was tendenziell alles sehr anstrengend ist, wie im echten Leben.

Alternativ könnte ich aber auch lernen, taktisch klug und weise auf dem Platz zu agieren,

und egal, wer mein Gegenüber ist, meine Fähigkeiten zu verfeinern, gut mit mir umzugehen,

mich stärker und mutiger zu machen, wie im echten Leben.

 Die Betonung liegt auf KÖNNTE.

Jeder Ball, der auf mich zufliegt, ist gleichzeitig mit einer Frage an mich verbunden.

Willst Du wirklich leben, oder willst Du nur nett sein und irgendwie durchkommen?

Kannst Du wirklich hier sein, deinen Egotrip lassen, und vergessen, wer Du bist?

Willst Du Sicherheit oder riskierst Du was für Dich? Lässt Du mit Dir machen, oder machst Du ?

Es ist grausam, mir dabei zuzusehen, wie ich diesen Fragen auf dem Platz aus dem Weg gehen,

wie ich mich beim Spielen klein mache, wie ich defensiv, ängstlich und wütend spiele,

wie ich cool sein will, und völlig uncoole Schläge produziere.

Äh, aber warum spiel ich jetzt nochmal Tennis?

Wofür soll der ganze Stress gut sein?

Wieso seh ich mir nicht einfach in der gleichen Zeit ein paar schöne Filme an,

und gieße meine Balkonblumen?

Weil ich fernab vom Platz davon profitiere, dass ich auf dem Platz alles gebe.

Seit ich vor einem Jahr wirklich angefangen habe, viel zu spielen, und Trainerstunden zu nehmen,

werde ich sicherer, ich fange an, für mich einzustehen, ich werde verbindlicher,

lasse mich weniger leicht von anderen Menschen umpusten,

meine Reaktionsfähigkeit hat sich erhöht,

und ich bin auf jeden Fall glücklicher, weil ich mich in mir wohl fühle.

Was meinen komplizierten, oft alles boykottierenden Kopf betrifft, habe ich Hoffnung.

Ich spiele weiter. Ball für Ball.

Atemzug für Atemzug. 

 

 

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